Wenn Gundis Zambo nach Kohlsuppe riecht, werde ich Dirigent!

Dirigenten sind schließlich auch nur Menschen. Dennoch werden beständig Witze über sie gemacht. Wie oft muß man das erleben: Da wohnt man in illustrer Runde der Fernsehübertragung einer Orchesterdarbietung bei, und mittendrin sagt irgendein Schmock: "Guck dir den Dirigenten an. So ein Hampelmännchen, und total überflüssig, der spielt ja gar nix, sondern fuchtelt da nur rum. Und alle machen so ein Gedöns um den. Dabei tut er am wenigsten und kriegt das meiste Geld." Worauf unsereins natürlich reflexartig nachhakt: "Wenn's so einfach is, wieso biste dann nich selber Dirigent geworden?"
Womit man jetzt besser nicht rechnet, ist, daß einer sagt: "Ich habe die Karriere als Dirigent nicht in Betracht gezogen, weil ich weder Lust noch Talent hatte, jahrelang auf dem Konservatorium zu studieren, das Blattspiel für mindestens zwei Instrumente zu erlernen und mich mit der kompletten abendländischen Musikgeschichte und Kompositionstheorie vertraut zu machen, nur um eines Tages als künstlerischer Gesamtverantwortlicher, ähnlich einem Filmregisseur, zum Wohle eines dirigentenverachtenden Bildungsbürgertums einem Rudel verschnupfter, unterbezahlter Orchestermusiker eine halbwegs erträgliche Interpretation von Gorecki entlocken zu können."
Statt dessen sind die meisten eben plötzlich stumm und sowieso unmusikalisch, haben schon den Blockflötenunterricht im Jugendmusikwerk immer geschwänzt und halten Gorecki für ein polnisches Wurstgericht.
Das polnische Wurstgericht heißt übrigens Bigos und ist auch kein Wurstgericht, sondern ein Eintopf aus Weißkohl und Sauerkraut, der in authentischer Atmosphäre zu essen ist. Authentisch heißt in diesem Fall, daß man ihn in den schummerigen Billardkneipen ehemaliger Ostaussiedler essen muß, wo Bigos je nach Alkoholfüllstand des Verantwortlichen auch schon mal lauwarm bis tiefgefroren serviert wird. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, denn selbst kochend heiß schmeckt Bigos einfach scheußlich.
Eigentlich geziemt es sich ja nicht, sowas zu behaupten. Aus irgendwelchen nationalideologischen Gründen ist es heutzutage verpönt, nicht-deutsches Essen scheußlich zu finden. Ich jedoch bin mir nicht zu schade, hier und jetzt eine Lanze zu brechen für das unopportune Scheußlichfinden nicht-deutschen Essens und sage es noch einmal: Polnischer Bigos schmeckt scheußlich. Ob aus Polen oder nicht, es bleibt nun mal ein scheußliches Konglomerat aus scheußlichen Kohlblättern, die mit scheußlichem Sauerkraut vermischt sind, und deshalb exakt die gleiche Scheußlichkeit an den Tag legen wie eine deutsche Kohlsuppe, die ich schon als Kind nicht mochte. Außerdem sehen die Leute, von denen man Kohlsuppe gleich welcher Nationalität vorgesetzt bekommt, in nahezu allen Fällen so aus, als gehörten sie dringend in die "Vorher-Nachher-Show".
Selbige wird von TM3 ausgestrahlt und von Gundis Zambo moderiert, der ich an dieser Stelle keineswegs vorschlagen werde, sie wäre doch besser Bigos-Kellnerin geworden. Nein, ich finde, sie paßt sehr gut ins Fernsehen. Sie wirkt frisch und sympathisch und hat die moderatorinnenwichtige Fähigkeit, grundsätzlich ein bißchen besser auszusehen als die Leute, die da sonst noch so eingeladen sind. Sie ist eine Hübsche und obendrein eine Kluge, insofern also erschreckend nahe an der Makellosigkeit. Das einzig wirklich Beklagenswerte an ihr ist der Name. Der klingt, als sei er aus den Markenbezeichnungen zweier eher unpopulärer Fleischwurstsorten extrahiert.
Natürlich kann sie nichts dafür, und ich bin ja eigentlich der Letzte, der anderer Leute Namens wegen böse Worte verlöre, aber ich kann nun mal nicht gegen meine penetrant mitfühlende Natur. Immer, wenn ich des Nachts zufällig Gundis Zambo erspähe, wie sie die unsägliche "Vorher-Nachher-Show" moderiert, bedauere ich sie zutiefst. Nicht nur wegen der Sendung, die sie moderieren muß, sondern auch wegen dieses Namens, der irgendwie störend wirkt und ihr übriges rundweg sympathisches Wesen so negativ überstrahlt wie der Duft von Kohlsuppe die bohnerfrische Atmosphäre eines Treppenhauses. Oft frage ich mich, ob Gundis Zambo vielleicht genauso wie Bigos riecht. Wahrscheinlich nicht. Wenn sie so riecht, wie sie aussieht, dann riecht sie nicht, sondern duftet, vielleicht nach Sandelholz und Vanille und Sommernächten am Bodensee, aber der Name... Sorry, ansonsten sicherlich sehr liebe und anbetungswürdige Gundis Zambo, aber der Name stinkt wie Kohlsuppe.
Außerdem frage ich mich immer noch, welchen Zweck eigentlich TM3 erfüllt. Zu seiner Gründung war TM3 ja einst als "Frauensender" angekündigt worden, und was den GründerInnen offenbar vorschwebte, war so eine Art 24-Stunden-Brigitte-TV, vielleicht auch ein 12-Stunden-Halbtags-EMMA-TV, weil ja so viele Frauen halbtags was machen, aber schließlich hat TM3 wohl eingesehen, daß für die meisten Frauen bereits das richtige Leben eine Art 24-Stunden-Brigitte-TV ist und EMMA-TV schon gar nicht ginge, denn es heißt immer noch die Zeitschrift, aber der Fernsehsender, und hat das komplette Frauensender-Konzept über den Haufen geworfen, ohne Ambitionen sich ein neues auszudenken.
Deshalb sei TM3 dringend geraten, zumindest Gundis Zambo wieder mit Mike Carl zusammenzuführen. Gemeinsam haben beide früher mal "Bitte lächeln!" moderiert, jene hanebüchene Sendung, wo dauernd kleine Kinder auf die Fresse fielen und Papageien in Cornflakestellern badeten, und in solcher Eintracht waren sie ein durchaus herzerfrischendes Moderatoren-Duo. Sie ergänzten sich, nicht nur ästhetisch, sondern auch spirituell. Eine schöne Frau, die wie zwei Wurstsorten heißt, und ein lustiger Mann ohne Nachnamen, da stimmte einfach die Chemie, und es war eine Lust ihnen zuzusehen, und es war schon fast egal, was sie da eigentlich moderierten.