Beauftragungsbeauftragte powered bei Fischereibehördenschreibtisch

Archive sind was tolles, auch und gerade die eigenen. Unter anderem, weil man darin wühlend die tollsten Sachen finden kann. Zum Beispiel jene Nachricht aus dem Jahre habichvergessen, aber ich weiß noch, dass sie einmal echt und leibhaftig in meiner Mailbox prangte, juwelenartig schimmernd unter lauter anderen stinknormalen Nachrichten über Mehrwertsteuer und Untersuchungsausschüsse:
"Gott in Tschechien eher umstritten

Der Sprecher der 'Gott-Initiative', Brichta, sagte, Herr Gott sei auch bei den Deutschen sehr beliebt und koenne daher zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen der beiden Staaten beitragen. Er sieht in dem 63-jaehrigen Musiker den logischen Nachfolger des bisherigen Praesidenten Havel. Viele Tschechen lehnen diesen Vergleich jedoch ab. Waehrend Havel waehrend der sozialistischen Aera fast fuenf Jahre inhaftiert war, scheute Gott die Naehe zum Regime nicht. Seine Befuerworter betonen jedoch, Gott habe nie der Kommunistischen Partei angehoert und nur gesungen."

Ernsthaft: Allein die Überschrift verlangt doch schon danach, den Urheber mit Champagner und Lobhudeleien zu überschütten, oder etwa nicht? Wer anderes meint, soll sich schleichen und möge in sich gehen.
Und zumindest ist es damit offiziell: Gott war niemals Mitglied der kommunistischen Partei! Amerika atmet auf. Wäre ja auch zu peinlich gewesen, wenn sich jetzt herausgestellt hätte und so ... besser nicht drüber nachdenken. Gerade noch mal Glück gehabt. Senator McCarthy erhebt sein hässliches Haupt ein letztes Mal aus dem Grab und spricht: "I knew it!"
Wie oft sich der Verfasser dieser Nachricht während der Niederschrift zwecks vor Lachen auf dem Boden kugeln unterbrechen musste, weiß hingegen niemand so genau. Ich vermute was Zweistelliges. Dass eine solche Nachricht allerdings was ganz was Feines ist, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Zu Zeiten, als Erwin Teufel noch Ministerpräsident von Baden-Württemberg war, gab es solcherlei Kleinode gar des Öfteren zu lesen, Schlagzeilen wie "Teufel kündigt Rücktritt an" sorgten für Erheiterung, da war wohlfeiles Himmel-und-Hölle-Spielchen im Sprachzentrum und ich grinste mir eins.
Sprachunsinn an sich hat ja eine recht lange Tradition, es gab ihn schon zu Zeiten, als die Leute noch Helme tragen mussten wegen der ganzen Revolutionen und Indianerüberfälle, die es ständig regnete. Da saßen dann die Bauersfrau und ihr Bäuerlein des Abends in ihrer Kate, strickten nach getanem Tagwerk noch ein bisschen an der Hypothek, und jedes Nun und Dann sprach das Bäuerlein dann zur Bäuerin: "Ach, liebste Bäuerin, es ist gar so langweilig hier, komm wir machen einen kleinen Sprachunsinn!" und neun Monate später redete sich das ganze Dörflein mit hehren Worten an wie "Leck mich fett, Alter!", "Großkampftag" oder "Sozialparasit". Ja, so wild ging das zu damals. Doch diese seligen Zeiten sind mittlerweile leider eher historisch, weil von früher. Das Bäuerlein ist inzwischen bei RTL in "Bauer sucht Frau", weil die alte Bäuerin den Sprachunsinn leid war, denn der heutige Sprachunsinn ist, wie fast alles andere auch, aus den USA importiert und wird von professionellen städtischen Menschen verbrochen.
Eine winzige lokale Perle davon sei dem hier versammelten Bonsai-Anteil der Weltöffentlichkeit kurz berichtet: Es begab sich nämlich, dass ich neulich morgens mal wieder in der Bahn saß, vor Augen ein Plakat zu einem soundsovielten Kaarster Stadtlauf, der sich in Bälde zutragen sollte. Solche Veranstaltungen an sich sind ja bekannt, das übliche sponsorenbeklebte Vorbeigerenne an angeleuchteten Rathäusern und frohlockenden Bierpilzaufstellern nebst irgendwann leicht schwankenden Bierpilzleertrinkern und so weiter, bis die kleine Lena weint und nach Hause will, und Jürgen muss das machen, denn Angela, aus deren Geburtskanal sie dereinst schlüpfte, rennt noch ums Rathaus und ist modern, man kennt diese Dramen ja zu Genüge, worum es hier aber nicht geht, und auch nicht um das Spektakel an sich, sondern lediglich darum:
Bei besagtem Spektakel gab es nämlich nun an erster Stelle einen sogenannten "Bambini-Lauf", was in mir unbegreiflicher Mediterrranisierung wohl ausdrücken soll, dass dort eher Menschen der unerwachsenen Sorte rennen dürfen, was noch nicht weiter bemerkenswert wäre - man hat gelernt zu ertragen. Wirklich hanebüchen war lediglich die darunter befindliche Sponsoren-Zeile, welche lautete: "Powered bei Autohaus Dieter Schmidt". Ja, in der Tat. "Powered bei"!
Bedarf dies weiterer Kommentierung? Peinlicher Sprachunfall, redundant veralbert bei Kolumnist? Nicht wirklich, sage ich.
Als Fazit zur Rettung des Planeten sei daher lediglich festgestellt: Irgendwelchen postmodernen Teenie-Kauderwelsch überlasse man bitte den postmodernen Kauderwelsch-Teenies. Alles andere wirkt letztendlich so, als wolle Gott uns strafen, in dem er die bilateralen Beziehungen zu uns endgültig abgebrochen hat. Oder wenn nicht er, dann doch zumindest sein Sprachbeauftragter, was übrigens auch so eine Narretei ist.
Für alles gibt es nämlich seit Neuestem Beauftragte - für Umwelt, Frauen, Ausländer und Hugo weiß was noch alles, was bei genauem Nachdenken genauso wenig Sinn ergibt wie bei ungenauem Nachdenken. Man beauftragt schließlich eher mit Tätigkeiten denn mit Substantiven. Ich kann mit dem Besorgen einer Zeitung beauftragen, dem Niederbrennen Europas oder der Herstellung von Innstadtgerenneplakaten. Womit ein Frauenbeauftragter so rein technisch gesehen beauftragt sein möge, fällt selbst mir spontan schwer zu fantasieren.
Aber solche muss es wohl auch geben, sagt der Volksmund stets dazu. Wahrscheinlich gibt es folglich wohl auch irgendwo einen Beauftragungsbeauftragten, der sich ständig neue Beauftragte ausdenken muss. Da sitzt, so möge man sich das vorstellen, ein Menschlein in einem mit EU-Mitteln geförderten nationalen Beauftragungsbeauftragtenbüro, an einem schmucklosen Schreibtisch, den die Fischereibehörde nicht mehr brauchte oder wollte, den lieben langen Tag, und muss sich neue Beauftragte ausdenken, darob die Öffentlichkeit sehe, es wird sich gekümmert, derweil womöglich Gott und andere regimenahe Künstler im Radio trällern, sowas ist nicht schön.
Ich hoffe ja im Stillen dereinst auf die Erfindung eines Antikauderwelschbeauftragten, liebäugele gar schon mit dem Plan, entsprechende Zettelchen in ausreichender Menge auf den ehemaligen Fischereibehördenschreibtisch des Beauftragungsbeauftragten zu schmuggeln, bis er glaubt, das sei seine eigene Idee. Unsere Bambini sind nämlich alleine mangels Lebenserfahrung eigentlich schon doof genug, quasi die offiziellen Dummheitsbeauftragten im Generationenkonzern, da muss man nicht auch noch auf so schamlose Weise linguistische Beihilfe leisten. Aber beim Arbeitsamt sind ja alle Zeit Los Wochos, da kann man dann seinen unkaputtbaren Geld-Jieper an den Staatsknecht ranlabern, bis die zuständigen Heulbeauftragten in Tränen ausbrechen. Rumhängen, powered bei Blödheit. Nuff said.