| Okay, Würstchenwasser ist nicht gerade das Gelbe vom Ei der ...hüstel... Zivilisation... | |
Hin und wieder ist man selbst ja so rein menschlich auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Man merkt das z.B. daran, wenn man einer...hüstel...etwas stärkeren Dame gegenüber sitzt, und jene eine von diesen Fragen stellt, von denen den Frauen seit Jahren in allen möglichen Zeitschriftenartikeln eingebleut wird, sie sollten sie besser nicht stellen, weil ihnen die Antworten evtl. nicht gefallen könnten. Man sitzt also da, und die...hüstel...etwas stärkere Dame fragt: "Macht mich dieses Kleid eigentlich dick?" Jeder normalzynische Mitteleuropäer denkt jetzt etwa Folgendes: "Nö. Es ist eigentlich mehr das Fett an deinem Hintern, das dich dick macht." Das zu denken, ist menschlich eigentlich voll okay, denn man soll ja zumindest im Herzen stets der Wahrheit verpflichtet bleiben, solange man das nur denkt, aber statt dessen sagt: "Och, würde ich nicht sagen. Betont eher deine tolle Figur." Oder sowas in der Richtung. Daß man menschlich nicht so ganz das Gelbe vom Ei ist, zeigt sich daran, daß man das andere nicht nur denkt, sondern auch ausspricht. So wie ich neulich. Zum Glück zeigte sich, daß die...hüstel..etwas stärkere Dame, so wie - Achtung! Jetzt kommt ein Klischee! - fast alle Vertreterinnen ihrer Fraktion, mit einem Humor ausgestattet war, der noch um einiges großzügiger dimensioniert war als ihr Sitzfleisch, weshalb sie nicht etwa ihren Teller nach mir warf oder ihren Anwalt anrief, sondern nur lapidar meinte, der Witz wäre an sich nicht schlecht, aber menschlich sei das wohl nicht so das Gelbe vom Ei. Aber damit kann ich durchaus leben, also einer zu sein, der zwar menschlich manchmal nicht so das Gelbe vom Ei ist, aber immerhin gute Witze macht. Andere Menschenkinder treiben es in dieser Hinsicht ja noch wesentlich toller als ich. Die haben Macken, Grillen oder Spleens, daß einem nur so die Ohren schlackern. So gibt es Individuen, die glauben, sie müßten die Würstchen, welche sie soeben aus einem Glas entnommen haben, erstmal gründlich unter dem Wasserhahn abspülen. Nach der Ursache für solches Tun befragt, sagen sie, man müsse doch wohl gefälligst erst die eklige Brühe abwaschen, in der die Würstchen noch bis eben rumschwammen, bevor man die Würstchen essen könnte. Bin ich wirklich der einzige, der das als eine zumindest diskussionswürdige Geisteshaltung empfindet? Ich denke, es erfordert schon einen sehr speziellen Charakter, anzunehmen, die Würstchenindustrie mache sich die Mühe, Dutzende von Gesundheits- und Hygienevorschriften betreffend die Herstellung von Würstchen einzuhalten, nur um die solchermaßen hochhygienisch und sicherlich protzgesund hergestellten Fleischröhren abschließend in eine Brühe zu stopfen, die so giftig und ungesund ist, daß man sie vor dem Verzehr möglichst rückstandslos entfernen muß, schon der Kinder wegen. Entschuldigung bitte, liebe Würstchenabspüler, aber das ist keine Logik, das ist Paranoia. Bzw. so ein typischer Fimmel in einer Zivilisation, deren Mitglieder die Muse haben, sich über wirklich jeden Dreck Gedanken zu machen. Zuviel Denken macht nämlich blöd, bzw. macht vielleicht schlau, verführt einen aber mitunter zu blödem Verhalten, was letzten Endes genauso schlimm ist. Leute, die zu viel denken, haben auch immer ganz schlaue und schlagfertige Gegenargumente gegen alles mögliche. Auf meine Würstchenwasserpolemik von weiter oben antworten sie für gewöhnlich: "Wenn das Zeug so lecker ist, dann trink's doch mal!" Und feixen und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter und gratulieren sich zum Gute-Argumente-Haben. Ich jedoch lasse mich davon nicht ins Bockshorn jagen, sondern antworte flugs: "Ihr allerliebsten würstchenabspülenden Gegenargumentehaber, laßt euch gesagt sein: Daß man etwas trinken könnte, heißt noch lange nicht, daß ich es auch trinken möchte. Ich trinke z.B. niemals Bananensaft, und der ist nun mit Sicherheit nicht giftig. Genauso trinke ich auch niemals jene Flüssigkeit, in welche Rollmöpse für gewöhnlich eingelegt sind. Dennoch käme wohl kaum jemand, nicht mal ihr, auf die Idee, deshalb den Rollmops nach der Glasentnahme erstmal unter dem Wasserhahn abzuspülen, oder?" q.e.d. Man möge mir im Übrigen die innerhalb dieses Textes gepflegte Marotte nachsehen, den Euphemismus "etwas stärkere Dame" jedesmal mit einem ästhetisch auf Dauer sicher nicht so prickelnden "Hüstel" einzuleiten. Aber wo wir schon mal davon sprechen: Ich würde es durchaus begrüßen, wenn es für Schreibende zur Verpflichtung würde, scheinheilige Euphemismen jeder Art ausnahmslos durch ein vorangestelltes "Hüstel" zu kennzeichnen. Damit man mal sieht, wo wir überall um den berühmten heißen Brei herumreden, anstatt das Würstchen einfach aus dem Glas zu nehmen und verdammt noch mal sofort zu essen. Mit den Ohren schlackern würde man, könnte man das mal sehen! Apropos: Kann man eigentlich irgendwo beantragen, daß die eigenen Sätze als übliche Metapher dem allgemeinen Sprachschatz hinzugefügt werden? Wenn ja, dann würde ich gerne beantragen, daß die mittlerweile doch etwas angestaubte Metapher "nicht um den heißen Brei herumreden" durch das soeben von mir erschaffene "das Würstchen aus dem Glas nehmen und sofort aufessen" ersetzt wird. Sie bezeichnen beide den gleichen Sachverhalt, jedoch ist letztere m.E. deutlich unabgegriffener. Der heiße Brei, so möchte ich beinahe witzeln, ist nun inzwischen wohl doch reichlich abgekühlt, oder? Und wenn ich schon für sonst nichts in die Annalen unserer Sprach- oder sonstigen Gemeinschaft eingehe, dann wenigstens dafür. Oder vielleicht für den Vorschlag mit dem vorangestellten "Hüstel", den ich nach wie vor für ziemlich gut halte. Würde sich doch auf diesem Wege unter Umständen recht schnell herausstellen, daß viele gerade jener Schreiberlinge, die immer so oberfreundlich und superkorrekt sind, daß sie ihre Würstchen nicht nur gründlich abspülen sondern auch noch mit flauschigen Tüchlein sorgfältig abtrocknen, Geschreibsel produzieren, welches in Klartext übersetzt deutlich offenbarte, daß ihr Autor trotz aller überflüssiger Würstchenhygiene menschlich...nun...hüstel...auch nicht immer so das Gelbe vom Ei ist. Womit wir dann trotz aller eher metaphysischer Würstchenkontroversen doch noch was gemeinsam hätten. Möglicherweise könnten wir eine eigene Interessengemeinschaft aufmachen, uns in muffigen Kellern zusammenrotten und in langen, verrauchten Pamphleten von der Regierung fordern, daß auch Leute, die menschlich...hüstel...manchmal nicht so das Gelbe vom Ei sind, sich trotzdem hin und wieder mal über das eine oder andere beschweren dürfen, ohne gleich eins auf den Deckel zu kriegen. Aber denkt dran, liebe Kollegen: Ich kann nur Samstags von vier bis sechs! | |